Der ent­schei­den­de Ein­fall – Selbst­hil­fe bei Pro­ble­men der Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on II

Wenn Sie sich selbst eini­ger­ma­ßen gut ken­nen, wer­den Sie sich ange­mes­se­ne Ant­wor­ten auf fol­gen­de Fra­gen geben kön­nen: Fal­len Ihnen in Ihrer Arbeit die ent­schei­den­den Din­ge zum rich­ti­gen Zeit­punkt ein? Tau­chen Auf­ga­ben­stel­lun­gen, an die Sie nicht mehr gedacht hat­ten, in Ihrem Bewusst­sein zu einem Zeit­punkt auf, an dem es bereits zu spät ist oder genau dann, wenn sie getan wer­den müs­sen?
Oder, ein wenig anders for­mu­liert: Was tun Sie dafür, dass Ihnen die Din­ge, die jetzt und heu­te wesent­lich sind, auch exakt zum ent­schei­den­den Zeit­punkt ein­fal­len?
Gar nichts? Sie über­las­sen das Ihrem Ter­min­ka­len­der, Ihrer täg­li­chen To Do-Lis­te oder einem Com­pu­ter­pro­gramm, das mit den erfor­der­li­chen Daten gespeist wird? Das klei­ne, aber ent­schei­den­de Plus besteht dar­in, das eine (Ter­min­ka­len­der, To Do-Lis­te, PC-Unter­stüt­zung) zu tun und das ande­re nicht zu las­sen. Was ist in die­sem Fall „das ande­re“?
Sie kön­nen sich durch unschein­ba­re, aller­dings regel­mä­ßig voll­zo­ge­ne klei­ne Maß­nah­men gleich­sam dazu prä­pa­rie­ren, dass Ihnen wesent­li­che Din­ge so ein­fal­len, wie sie Ihrer inne­ren To Do-Lis­te ent­spre­chen, auch wenn Sie sie nicht auf­ge­schrie­ben haben soll­ten.
Das eine ergänzt das ande­re. Und gele­gent­lich würzt „das ande­re“ das ers­te­re exakt mit den Spu­ren­ele­men­ten, die Sie nicht auf­ge­schrie­ben haben, weil sie für die Dimen­si­on der Auf­zeich­nun­gen nicht wesent­lich genug erschie­nen. Für die Dimen­si­on „Der Ton macht die Musik“ mögen sie jedoch ent­schei­dend sein. Was also tun?

Neh­men Sie sich für einen kur­zen täg­li­chen Zeit­raum – emp­feh­lens­wert ist der Mor­gen, bevor Sie mit sämt­li­chen Tages­auf­ga­ben, –pflich­ten und –the­men kon­fron­tiert und von die­sen absor­biert sind – fol­gen­des vor: Wid­men Sie sich eini­ge Minu­ten am Stück einem The­ma, das über das aktu­el­le Tages­ge­schäft hin­aus etwas Wesent­li­ches für Sie dar­stellt. Wesent­lich zum Bei­spiel im Sin­ne einer Ori­en­tie­rung, eines Wer­te­zu­sam­men­hangs, einer erfri­schen­den ästhe­ti­schen Erfah­rung, eines ideel­len Ziels, eines für Sie wesent­li­chen Erkennt­nis- oder Glau­bens­in­halts.
Wich­tig ist, dass Ihnen der gewähl­te Inhalt in tie­fe­rem Sinn wirk­lich etwas bedeu­tet. Schau­en Sie hin, den­ken Sie über ihn nach, emp­fin­den Sie den Gehalt des gewähl­ten Gedan­kens, (Sinn-)Bildes oder Gedichts.
Tun Sie dies regel­mä­ßig (sprich so, wie Sie es sich vor­neh­men: drei­mal die Woche, fünf­mal die Woche, jeden Tag, zu einem fest­ge­setz­ten Zeit­punkt), ohne all­zu häu­fig den Gegen­stand zu wech­seln.
Nach eini­ger Zeit fügen Sie fol­gen­des hin­zu: Genau­so wie Sie sich für ein kur­ze Zeit auf einen Gegen­stand Ihrer Wahl ein­ge­las­sen und kon­zen­triert haben, wen­den Sie nun, in unmit­tel­ba­rem Anschluss dar­an, Ihre Auf­merk­sam­keit in über­tra­ge­nem Sinn Ihrer Umge­bung zu: Was tritt hier und jetzt in mei­ner Erin­ne­rung auf, was tritt in mei­nem wachen und gleich­sam emp­fangs­be­rei­ten Bewusst­sein an mich her­an? Was kommt mir in die­sem Sinn aus mei­nem „Umkreis“ ent­ge­gen?
Im ers­ten Fall betä­ti­gen Sie Ihre Auf­merk­sam­keit fokus­siert, gebün­delt. Im zwei­ten Fall wird die Auf­merk­sam­keit weit, durch­läs­sig, auf­nah­me­be­reit für alles, was sich nun im Bewusst­sein ein­stel­len will.
Haben Sie dies eine Zeit­lang getan, so wer­den Sie bemer­ken, wie sich im geöff­ne­ten Bewusst­sein der „zwei­ten Art“ Din­ge ein­stel­len, von denen Sie wer­den sagen kön­nen: Welch ein Glück, dass mir das gera­de heu­te noch ein­fällt! Was für ein Zufall, dass mir die­ser ent­schei­den­de Gedan­ke vor der anste­hen­den Sit­zung noch kommt! Und: wel­che Über­ra­schung, dass mir aus­ge­rech­net jetzt jene Per­son ein­fällt, die ich unbe­dingt in einer wich­ti­gen Ange­le­gen­heit anspre­chen soll­te!
Wenn Sie dran­blei­ben, wer­den Sie sich auf die­se Wei­se die Fähig­keit aneig­nen, Ihre kalen­da­ri­schen Auf­zeich­nun­gen durch die rich­ti­gen Ein­fäl­le zur rech­ten Zeit zu ergän­zen und zu bereichern.

Nothart Rohlfs