Neue Vor­ha­ben – alte Gewohn­hei­ten: eine ver­track­te Allianz

Bio­gra­fi­sche Grün­de füh­ren dazu, dass Sie Ihren bis­he­ri­gen Beruf an den Nagel hän­gen und sich neu­en beruf­li­chen Zie­len zuwen­den. Die fach­li­chen Vor­aus­set­zun­gen haben Sie geschaf­fen. Sie wis­sen grund­sätz­lich, was Sie wol­len. Sie kön­nen star­ten. Was tun? Bewer­bun­gen schreiben.
Natür­lich wis­sen Sie, dass Sie unter zahl­rei­chen Berufs­ein­stei­gern als älte­res Semes­ter anders beur­teilt wer­den als die zumeist erheb­lich jün­ge­ren Mit­be­wer­ber. Die poten­ti­el­len Arbeit­ge­ber prü­fen Ihre Bewer­bung, wenn sie dies denn tun, mit einer gewis­sen Zurück­hal­tung, skep­ti­scher viel­leicht, mit ande­ren Fra­gen und Über­le­gun­gen. Nur in sel­te­nen Fäl­len – im Ver­gleich zur Anzahl Ihrer Bewer­bun­gen – wer­den Sie zu Bewer­bungs­ge­sprä­chen gela­den. Eine Stel­le erhal­ten Sie einst­wei­len nicht. Jün­ge­re Mit­be­wer­ber wer­den vor­ge­zo­gen. Doch Sie blei­ben eisern dabei, Bewer­bun­gen zu schrei­ben. Was soll­ten Sie auch ande­res tun?

Ein­mal ange­nom­men nun, Sie zie­hen in die­ser Lage einen Freund oder eine Freun­din zu Rate, die Fol­gen­des bemerken:
Du bedienst dich, um zu dei­nem Ziel, einem Arbeits­platz, zu gelan­gen, aus­schließ­lich der­sel­ben Mit­tel, derer sich die jün­ge­ren Mit­be­wer­ber bedie­nen. Dei­ne Vor­aus­set­zun­gen sind jedoch ganz ande­re. Im Ver­gleich zu den meis­ten Mit­be­wer­bern bringst du weni­ger Power, Ehr­geiz, jugend­li­che Res­sour­cen und Bereit­schaft zu zeit­lich unbe­grenz­tem Ein­satz mit. Statt­des­sen ver­fügst du über einen Gut­teil Lebens- und Berufs­er­fah­rung (wenn auch auf ande­rem Tätig­keits­feld), du ver­fügst über Fähig­kei­ten wie Umsicht, Ver­läss­lich­keit, all­ge­mei­ne mensch­li­che Kom­pe­tenz sowie ein gutes Urteils­ver­mö­gen. Außer­dem kennst du dei­ne eige­nen Stär­ken und Schwä­chen und kannst dein eige­nes Leis­tungs­ver­mö­gen und den erfor­der­li­chen Auf­wand für Arbeits­ab­läu­fe erfah­rungs­ge­mäß gut ein­schät­zen. Trotz­dem sind dei­ne Vor­aus­set­zun­gen nach gel­ten­dem Maß­stab weni­ger güns­tig. Hin­zu­kommt, dass du dich nach wie vor fast aus­schließ­lich in den Krei­sen bewegst, in denen du dich wäh­rend dei­ner frü­he­ren beruf­li­chen Tätig­keit bewegt hast. Auch pri­vat ist das der Fall.
Inves­tierst du in ehren­amt­li­chen Ein­satz oder enga­gierst du dich lite­ra­risch oder durch sons­ti­ge Ange­bo­te auf dei­nem neu­en Berufs­feld? Baust du neue Kon­tak­te auf, sorgst du für eige­nes Bekannt­wer­den in der neu­en Bran­che und deren Fach­krei­sen? Nein. Du erhoffst dir den beruf­li­chen Neu­ein­stieg, als sei­est du Mit­te zwanzig.
Viel­leicht bemer­ken Sie selbst – oder die Freun­din, der Freund stößt Sie dar­auf: Du kannst dich beim Anstre­ben neu­er Zie­le nicht damit begnü­gen, dich aus­schließ­lich alter gewohn­heits­mä­ßi­ger Hand­lungs­mus­ter zu bedie­nen. Das allein bringt nicht ans Ziel. Um die neu­en Zie­le zu errei­chen, sind Mit­tel erfor­der­lich, wel­che die aus­ge­tre­te­nen Wege ergän­zen und viel­leicht den ent­schei­den­den Anstoß geben zu Kon­tak­ten und Kon­stel­la­tio­nen, durch wel­che dei­ne Zie­le dich fin­den können.

Haben Sie Mühe zu erken­nen, was in Ihrem Fall die neu­en Mit­tel und Wege sind, derer Sie sich bedie­nen kön­nen, so geben Sie Bescheid. Ich unter­stüt­ze Sie dabei.

Nothart Rohlfs