Kon­flikt­klä­rung durch Media­ti­on — Film Ball­reich Glasl

Authen­ti­sches Film­ma­te­ri­al für Fort­bil­dung und Lehre

Media­ti­on ist ange­kom­men. Vor Jah­ren noch ein weit­ge­hend unbe­kann­ter Begriff, hat sich unter­des­sen her­um­ge­spro­chen, daß es sich dabei um ein Ver­fah­ren zur Kon­flikt­be­ar­bei­tung han­delt, wel­ches von inhalt­li­chen Rat­schlä­gen absieht. Es bedient sich statt­des­sen metho­di­scher Mit­tel, den Gesprächs­ver­lauf unter den Betei­lig­ten anzu­re­gen und zu struk­tu­rie­ren. Die inhalt­li­che Klä­rung wird so unter­stützt und gefördert.
Media­ti­on in leben­di­ger Wei­se illus­trie­rend, erschien im ver­gan­ge­nen Jahr ein umfang­rei­cher Lehr- und Übungs­film (fünf DVDs mit über zehn Stun­den Mate­ri­al), her­aus­ge­ge­ben von den bekann­ten Media­to­ren Rudi Ball­reich und Fried­rich Glasl, zur Kon­flikt­be­ar­bei­tung in Teams und Orga­ni­sa­tio­nen. In ihm wer­den ein Kon­flikt, des­sen Bear­bei­tung und Lösung durch zwölf Schau­spie­ler sowie Ball­reich und Glasl über­zeu­gend vor Augen geführt.
Das Aus­gangs­ma­te­ri­al bil­det ein Unter­neh­mens­kon­flikt, den die Genann­ten eini­ge Jah­re zuvor erfolg­reich bear­bei­tet hat­ten. Auf sol­cher Grund­la­ge sowie anhand von Beschrei­bun­gen der am Kon­flikt betei­lig­ten Per­so­nen ent­stand in sach­lich exak­ten, weit­ge­hend frei­en Impro­vi­sa­tio­nen das Film­ma­te­ri­al zum Thema.
In einem Maschi­nen­bau­un­ter­neh­men kommt es im Zuge einer Reor­ga­ni­sa­ti­on zu Kon­flik­ten zwi­schen den Mit­ar­bei­tern zwei­er Abtei­lun­gen. Die Aus­ein­an­der­set­zun­gen eska­lie­ren soweit, daß der Werk­lei­ter einer Media­ti­on zustimmt.

Der Film zeigt ver­schie­de­ne Pha­sen und Schrit­te der Kon­flikt­ent­wick­lung und ‑bear­bei­tung. Zunächst wird vor­ge­führt, wie sich der Streit zwi­schen den Mit­ar­bei­tern der betrof­fe­nen Abtei­lun­gen zuspitzt. Nach der Ent­schei­dung zur Media­ti­on führt der Werks­lei­ter ein Erst­ge­spräch mit einem der Media­to­ren. Ein Gespräch im Werk­lei­tungs­kreis dient dazu, die Streit­par­tei­en zu moti­vie­ren, sich auf eine Kon­flikt­be­ar­bei­tung durch Media­ti­on einzulassen.

Es fol­gen Ein­zel­ge­sprä­che mit den Abtei­lungs­lei­tern sowie ein gemein­sa­mes Gespräch. Die über­ra­schend gestell­te Fra­ge, wie sich die Situa­ti­on ver­schlech­tern kön­ne, weckt bei die­sen das Anlie­gen zur Ent­span­nung der Lage. Nach­dem die Abtei­lungs­lei­ter ihre aku­te Feind­schaft haben bei­le­gen kön­nen, beginnt der Media­ti­ons­pro­zess mit den Mit­ar­bei­tern der bei­den Werks­ab­tei­lun­gen. Ball­reich und Glasl set­zen viel­fäl­ti­ge Metho­den ein, die dazu die­nen, wün­schens­wer­te Zukunfts­bil­der zu erzeu­gen, Feind­bil­der auf­zu­lö­sen sowie Ange­bo­te zu erar­bei­ten, die eine der ande­ren Grup­pe vorstellt.

In der Fol­ge wer­den von bei­den Teams Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge erar­bei­tet und von der ande­ren Sei­te bewer­tet. Der bis­he­ri­ge Reor­ga­ni­sa­ti­ons­pro­zess des Wer­kes wird beur­teilt und durch Vor­schlä­ge ergänzt. Eine Stand­ort­be­stim­mung und Reflek­ti­on ent­schei­den­der Lern­mo­men­te schlie­ßen den voll­zo­ge­nen Klä­rungs­pro­zess ab.

Das vor­ge­leg­te Werk setzt hohe Maßstäbe.
Der Form des fun­dier­ten Impro­vi­sa­ti­ons­thea­ters sowie der Pro­fes­sio­na­li­tät aller Betei­lig­ten ist es zu dan­ken, daß der Film ein hohes Maß an leben­di­ger Authen­ti­zi­tät erreicht. In der Fol­ge erweist sich das dar­ge­stell­te Gesche­hen als stim­mig und glaub­wür­dig und ergibt sich zwang­los als mög­li­cher Ver­lauf aus dem zugrun­de­lie­gen­den Kon­flikt und den vor­ge­nom­me­nen Interventionen.

Neben sei­ner Bedeu­tung für Aus- und Fort­bil­dung eig­net sich der Film außer­or­dent­lich als Inspi­ra­ti­ons­quel­le für all jene, die als Füh­rungs­kräf­te, Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­ler und Unter­neh­mens­be­ra­ter Ver­än­de­run­gen in sozia­len Zusam­men­hän­gen ver­ant­wort­lich gestal­ten und begleiten.

Nothart Rohlfs

zu:
Rudi Ball­reich und Fried­rich Glasl (Hrsg.): Kon­flikt­be­ar­bei­tung mit Teams und Orga­ni­sa­tio­nen. Ein Lehr­film zur Team- und Orga­ni­sa­ti­ons­me­dia­ti­on, 5 DVDs mit Übungs­buch, Con­ca­do­ra-Ver­lag Stutt­gart, 2010, 370,-€